LLMs sind wie neue Kolleg:innen

a.kramer

Die Arbeit mit LLMs (Large Language Models) fühlt sich manchmal an wie die Zusammenarbeit mit neuen Kolleg:innen: sehr engagiert, aber (noch) nicht mit allen Details vertraut. Werden nicht alle relevanten Informationen im Prompt mitgegeben, versucht das LLM, die Lücken zu füllen – und orientiert sich dabei an den wahrscheinlichsten Szenarien. Das ist gut gemeint, aber nicht immer zielführend.

Auch neue Mitarbeitende handeln oft ähnlich: „Wenn ich nachfrage, falle ich negativ auf“ oder „Die denken sonst, ich sei nicht kompetent“ – typische Gedanken, die jedoch meist unbegründet sind. Denn in einem gut funktionierenden Team geht man davon aus, dass Rückfragen erlaubt – ja sogar erwünscht – sind.

Genauso sollte es auch im Umgang mit LLMs sein: Rückfragen einfordern, Unsicherheiten minimieren, Kontext schaffen. Denn ohne klare Orientierung kann auch das beste Modell nur raten – mit entsprechend unpräzisen Ergebnissen.


Wie man Rückfragen ermöglicht – im menschlichen und im LLM-Kontext

Im Team:

• Regelmäßige Austauschformate etablieren
• Eine offene Kommunikationskultur fördern
• Fragen aktiv einfordern – z. B. statt „Hast du noch Fragen?“ lieber:
„Welche Fragen sind noch offen?“

Im Umgang mit LLMs:

• Prompts im gleichen Kontext bündeln: Das verbessert die Kohärenz und das „Verständnis“ des Modells
• Klar und präzise formulieren – ohne Füllwörter oder unnötige Ausschmückungen
• Auch hier gilt: Fragen aktiv einfordern – z. B. durch Formulierungen wie:
„Welche Informationen fehlen noch, um eine fundierte Antwort geben zu können?“


Warum das so wichtig ist

LLMs basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Wenn es drei mögliche Deutungen gibt – eine mit 90 %, eine mit 7 % und eine mit 3 % – wird das Modell vermutlich (richtigerweise) die erste wählen, ohne Rückfrage. Liegt die Verteilung aber z. B. bei 60 %, 25 % und 15 %, kann das schon problematisch werden. Ohne die Aufforderung, Rückfragen zu stellen, entscheidet sich das Modell trotzdem – mit möglicherweise suboptimalem Ergebnis.

Mit dem richtigen Prompt hingegen kann man eingreifen, bevor die Antwort entsteht. Und genau das verbessert die Resultate oft erheblich.


Zusatztipp:

Auch im menschlichen Miteinander lohnt es sich, bei der Frageformulierung kreativ zu werden:
Statt „Hast du noch Fragen?“ einfach mal „Welche drei Fragen sind noch offen?“ ausprobieren.
Das sorgt zuverlässig für Stirnrunzeln – und für eine bewusstere Auseinandersetzung mit dem Thema. 😉

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